
Unser Allwetterbad "Moby Dick" kann in der jetzigen Form nicht weiter betrieben werden - was sich schon in den letzten Wochen abzeichnete, wurde nach dem Vortrag der Werkleitung über die defizitäre Lage des Bades traurige Gewissheit. Nach einer emotionalen Debatte zwischen den Fraktionen, der sich eine Einwohnerfragestunde anschloss, in der interessierte Bürger ihre Fragen zur Lage des Bades stellen konnten, verabschiedete der Rat - unter Enthaltung der FWG-Fraktion - die Schließung des "Moby Dick" bis spätestens 31.12.2010.
Nachfolgend die eröffnende Stellungnahme von Bürgermeister Reiner Hör:
"Liebe Ratsmitglieder,
Zuhörerinnen und Zuhörer,
1. Heute treffen wir uns zu einem Anlass, der traurig und bitter zugleich für Rülzheim, alle Besucherinnen und Besucher unseres Allwetterbades Moby Dick sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist. Zu Beginn meiner Amtszeit am 1.11.2006 war mir bewusst, dass der Erhalt unseres Allwetterbades die größte Herausforderung sein wird. Trotz intensiver Spar- und Strukturveränderungsmaßnahmen ist es mir, dem Rat bzw. Gremien und vor allen Dingen den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht gelungen, das Bad zu retten.
2. Dies wurde in 25 Sitzungen und insbesondere bei den Haushaltsplanberatungen sowie Beratungen des Wirtschaftsplanes im März dieses Jahres (fünf Sitzungen) ausführlich debattiert und hat seinen Niederschlag in den jeweiligen Haushaltsansätzen gefunden.
3. In diesen Beratungen wurde auch deutlich gemacht, dass durch die Reaktivierung und Vitalisierung des Badsees ab dem Sommer 2011 zumindest für die Sommersaison Baden in Rülzheim möglich ist. Unsere Wellnesslandschaft sowie der Campingplatz sollen weiterbetrieben werden, ob ganz oder teilweise, privat oder selbst, ist noch offen. Genauso offen möchte ich mit den Gremien die weitere Nutzung des Innenbereiches des „Moby Dick“ beraten. Interessenten für Indoor-/Boulder-Nutzung sowie Sport- und Reha-Bereich sind vorhanden. Ebenso besteht zumindest bei einem der Bewerber des europäischen Intreressenbekundungsverfahrens Interesse, die Bereiche Wellness/Badesee und Campingplatz komplett anzupachten und Geld zu investieren. Die Mitarbeiter im „Moby Dick“ wurden von mir persönlich am 15.3.2010 über die Situation informiert. Dabei musste ich auch mitteilen, dass durch die Einstellung des Badebetriebes Arbeitsplätze verloren gehen. Ich machte deutlich, dass die Gemeinde versuchen wird, aus der Kombination Sauna/Wellness, Badesee, Campingplatz sowie Verpachtung des Innenbereichs des Moby Dick ein attraktives Freizeitangebot für viele Besucherinnen und Besucher zu schaffen, um dadurch auch möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
4. Deshalb appelliere ich an alle Entscheidungsträger im Rat und den Ausschüssen, sich dieser Verantwortung und der finanziellen Lage unserer Gemeinde bewusst zu sein.
Die Situation erfordert gemeinsames Handeln zum Wohle unserer Gemeinde und ohne Vorbehalte gegenüber Ideen und Vorschlägen politisch anders Denkender.
In diesem Sinne eröffne ich die Debatte und bitte um Wortmeldungen."
Die Stellungnahme unseres Fraktionsvorsitzenden Michael Braun
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Ratskolleginnen und -kollegen, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
ich möchte mich zuerst bei Bürgermeister Reiner Hör und Werkleiter Peter Haubold für die sachliche und detaillierte Darstellung der Entwicklungen im Moby Dick von seiner Eröffnung 1972 bis heute bedanken.
Wer die Bilder aus dem technischen Innenleben sieht, erkennt, dass die Ursachen der Probleme strukturell sind und etliche Jahre zurückliegen. Bürgermeister Hör hat nach seinem Amtsantritt 2006 versucht, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Attraktivität unseres Bades zu steigern. Alle Maßnahmen geschahen im engen Schulterschluss in den politischen Gremien und wurden in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre diskutiert.
Ein europaweites Interessensbekundungsverfahren wurde durchgeführt, um einen potentiellen privaten Betreiber für unser Bad zu finden. Jedoch brachte es leider nicht den gewünschten Erfolg. In dieser Situation kann jetzt kein „Weiter so“ stattfinden.
Jeder von uns möchte den Badebetrieb weiter ermöglichen, aber wir sehen uns in dieser schwierigen finanziellen Situation dem Wohle der Gemeinde verpflichtet. Die Gemeinde kann das Defizit nicht weiter schultern, notwendige Investitionen sind zu hoch. Weder Bund, noch Land, noch Kreis geben uns Geld. Folglich müssen wir leider den Badebetrieb bis Ende 2010 einstellen und uns überlegen, welche Folgenutzung dort möglich ist. Vorschläge der Aktiven Bürger liegen vor: Kletterhalle,
Soccerarena, Reha-Zentrum oder ähnliches. Diese werden nun in den zuständigen Gremien intensiv diskutiert und geprüft.
Wenn niemand die wundersame Geldvermehrung beherrscht oder einen überaus großzügigen Sponsor findet, haben wir zum Wohle der Gemeinde leider keine andere Wahl.
An dieser Stelle möchte ich ein paar kurze Bemerkungen zum Verhalten der
Opposition machen:
Die CDU befindet sich seit der Kommunalwahl 2009 in der Rolle der Opposition. Die Opposition soll „den Regierenden auf die Finger schauen“ (Leitspruch der Aktiven Bürger als kritische Opposition von 1994-2006) und andere Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Das ist das gute Recht und die Pflicht einer Opposition und das ist auch gut so. Aber: Es geht nicht nur um das „Was“, sondern auch um das „Wie“. Die CDU war bei allen Gesprächen eingebunden, hatte alle Informationen und konnte stets ihre Sicht der Dinge ausführlich darstellen. Die Präsentation von Werkleiter Peter
Haubold ist eine Zusammenfassung aller Informationen, die jedem Ratsmitglied zur Verfügung standen und stehen. Alleine zwischen 2007 und 2010 fanden 25 Sitzungen statt, die sich intensiv mit dem Thema „Moby Dick“ befassten. Hier von einer schlechten Information einzelner Fraktionen durch den Bürgermeister oder die Verwaltung zu sprechen, halte ich für nicht nachvollziehbar.
Das Moby Dick war ein Projekt meines Großvaters Helmut Braun (Bürgermeister von 1966-1991), weswegen dieser Schritt gerade mir persönlich schwer fällt. Dennoch: Wer sein Mandat ernst nimmt und im Sinne der Gemeinde handeln möchte, kann einem Weiterbetrieb des Moby Dick in der bisherigen Form nicht zustimmen. Es ist ein harter und schmerzhafter, aber leider unausweichlicher Schritt.
Wir müssen nun gemeinsam auch im Sinne der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen, wie eine sinnvolle Folgenutzung im Moby Dick installiert werden kann.
Folglich können wir Aktive Bürger einem Weiterbetrieb des Moby Dick in der
derzeitigen Form schweren Herzens nicht zustimmen.
Herzlichen Dank."
In den regionalen Medien erfuhr der Ratsbeschluss erhebliche Resonanz. Der Südwestrundfunk Rheinland-Pfalz widmete der Lage des Bades vergangenen Freitag, den 07.Mai, einen kurzen Bericht:
http://www.swr.de/rp-aktuell/-/id=233240/did=6365242/pv=video/nid=233240/1ng76qd/index.html
Außerdem war auch der Rundfunk des SWR bei der Ratssitzung zugegen und interviewte Bürgermeister Reiner Hör, die Fraktionvorsitzenden sowie Bürgerinnen und Bürger zur Situation.
Am Tag nach der Sitzung berichtete auch Radio Regenbogen über die Schließung, ebenso die "Badischen Neuesten Nachrichten".
Die überörtliche Tageszeitung "Die Rheinpfalz" (Ausgabe Ludwigshafen) widmete der Lage des "Moby Dick" eine ausführliche Berichterstattung.
Derzeit steht noch nicht fest, wie sich eine alternative Nutzung des Bades gestalten könnte. Deshalb möchten wir Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, aufrufen, mit Ihren Ideen zur Lösung dieser Situation beizutragen. Die Verwaltung werde, so Bürgermeister Reiner Hör, sämtliche Ideen und Vorschläge "aufsaugen wie ein Schwamm".